Der Kaiser und der U-Boot-Krieg

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Die Abbildungen zeigen die Besatzung von U 9 mit Kapitänleutnant Otto Weddigen nach der Versenkung von drei englischen Panzerkreuzern im September 1914 und die Titelseite der Provinzial-Zeitung vom 4. Juli 1915.   

Krieg fern der Heimat
Von der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika bis zum Eismeer im hohen Norden kämpften deutsche U-Boote bereits im Ersten Weltkrieg. Zu Kriegsbeginn 1914 auch im eigenen Land noch belächelt und von Großadmiral v. Tirpitz verspottet, entwickelte sich die junge deutsche U-Boot-Waffe in den kommenden Jahren zur tödlichen Bedrohung der feindlichen Handelsflotten und brachte England an den Rand der Niederlage. U-Boot-Kommandanten wie Lothar v. Arnauld de la Perière, Walter Forstmann oder Max Valentiner erzielten mit ihren Mannschaften Erfolge, die selbst im Zweiten Weltkrieg nicht wieder erreicht wurden.

Propagandakrieg in Deutschland
Erbitterte Gefechte gab es jedoch nicht nur auf hoher See zwischen deutschen U-Booten und Schiffen der Alliierten: Geradezu unglaublich erscheinen heute die harten Auseinandersetzungen zwischen deutschen Militärführern auf der einen und Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler v. Bethmann Hollweg auf der anderen Seite. Streitpunkt war das Vorgehen der U-Boote im Gefecht: Der warnungslosen Versenkung von Handelsschiffen, dem sog. uneingeschränkten U-Boot-Krieg, stand die Variante des sog. U-Boot-Krieges nach der Prisenordnung gegenüber, der Versenkung eines Handelsschiffes nur nach vorheriger Warnung und nach dem Vonbordgehen aller Besatzungsmitglieder und möglicher Passagiere. Wohl niemals sonst in der Kriegsgeschichte wurde die Wirksamkeit einer bestimmten Art der Kriegführung von Militärs, aber später auch von vielen Historikern derart in Abrede gestellt, wie es beim U-Boot-Krieg nach der Prisenordnung der Fall gewesen ist. Die Analyse der U-Boot-Feindfahrten belegt allerdings, daß tatsächlich bis Januar 1917 mit zunehmender Tendenz das Vorgehen nach der Prisenordnung und damit der Überwasserangriff mit dem Deckgeschütz dominierte: Während der Herbst-/Winter-Offensive 1916/1917 wurden ca. 98,5% aller versenkten Handelsschiffe vorgewarnt. Abgesehen von wenigen, tragischen Zwischenfällen führten die deutschen U-Boote bis dahin einen völkerrechtlich legitimen und relativ rücksichtsvollen Handelskrieg, der übrigens die ausdrückliche Billigung des späteren Kriegsgegners USA fand. Gründe für die Anwendung des Prisenverfahrens waren die militärische Effektivität dieser Methode und verbindliche Befehle der deutschen Regierung, Versenkungen neutraler Schiffe zu vermeiden und Zivilisten aller Nationen zu schonen. Auch der ab Februar 1917 geführte uneingeschränkte U-Boot-Krieg richtete sich klar gegen die Kriegsgegner: Die von Anfang an bestehenden Ausnahmeregelungen für Neutrale wurden stetig erweitert.

Der Kaiser bestimmt den U-Boot-Krieg
Kaiser und Kanzler unterstützten sich gegenseitig im Konflikt mit der Opposition im eigenen Lager. Es galt das Wort des Kanzlers: „Auch der Seekrieg ist Mittel der Politik.“ Die Militärs mußten sich also der Politik fügen, nicht etwa umgekehrt. Das Archivmaterial aus dem Auswärtigen Amt und dem kaiserlichen Hauptquartier läßt ein Bild des Kaisers entstehen, das mit der tradierten Vorstellung eines völlig unfähigen, arbeitsscheuen und einflußlosen Monarchen nicht mehr viel gemeinsam hat: Bis weit in das Jahr 1918 hinein bestimmte Kaiser Wilhelm II. maßgeblich den Seekrieg und traf alle strategischen Entscheidungen. Damit aber übte der Kaiser auch de facto die Rolle des Befehlshabers der Marine aus. Bis Ende 1916 lehnten Wilhelm II. und v. Bethmann Hollweg den uneingeschränkten U-Boot-Krieg aus politischen und moralischen Gründen ab. Seitens der radikalen Befürworter des uneingeschränkten U-Boot-Krieges war die Reichsleitung daher heftiger Kritik ausgesetzt. Nach dem Scheitern des deutschen Friedensangebotes im Dezember 1916 sah die Reichsleitung allerdings keine politische Lösung mehr und stimmte im Januar 1917 für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, sorgte dann aber, zum Teil mit Unterstützung der Obersten Heeresleitung, wieder für Ausnahmeregelungen für neutrale Staaten.

Deutsche Militärs verhindern U-Boot-Erfolge
Führende deutsche Marineoffiziere verhinderten eine größere Schädigung der Gegner, indem sie - zunächst in Unkenntnis der Frontverhältnisse, dann aus Starrsinn - den überaus erfolgreichen Überwasserkrieg der U-Boote ablehnten und mehrfach einen monatelangen Stopp des U-Boot-Krieges herbeiführten. Sie handelten nach der Devise „Entweder uneingeschränkter U-Boot-Krieg oder gar kein U-Boot-Krieg“. Die Ablehnung der Prisenordnung durch die deutsche U-Boot-Führung stieß bei den U-Boot-Kommandanten selbst auf völliges Unverständnis.

Zum Thema der Buchtipp:
Joachim Schröder: Die U-Boote des Kaisers


Dieses Buch schildert auf 530 Seiten das Geschehen sowohl aus der Sicht der führenden politischen und militärischen Personen als auch aus der Perspektive der einfachen Soldaten an der Front. Dafür wurden neben der Literatur zahlreiche gedruckte Quellen und vor allem umfangreiche Archivbestände ausgewertet. So konnten zum Beispiel aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes bisher unbekannte Schriftstücke des Kaisers und des Kanzlers herangezogen werden.
Insgesamt werden eine Vielzahl einseitiger Vorstellungen, Fehlinterpretationen und Mythenbildungen, die mit dem U-Boot-Krieg verbunden sind, aufgezeigt und berichtigt.

Der umfangreiche Anhang enthält zahlreiche Dokumente als Faksimiles, wichtige statistische Auswertungen - so etwa über das Schicksal sämtlicher deutscher U-Boote und ihrer Besatzungen -, Karten, Abbildungen, Flugblätter, Risszeichnungen und Fotos, von denen viele zum ersten Mal veröffentlicht werden. Außerdem werden die wichtigsten Einsatzbefehle und Seerechtsbestimmungen im Wortlaut zitiert.       

       
Presseschau: Die U-Boote des Kaisers   

Autor: Joachim Schröder



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